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Leitzins

Was die Zinsen der Kreditnehmer beeinflusst

Dass die Zinsen aktuell so niedrig wie noch nie zuvor sind, ist allgemein bekannt. Wie dieser Wert aber mit dem Leitzins zusammenhängt und wie er bemessen wird, ist nicht allen Sparern und Kreditnehmern klar.

Was ist der EZB Leitzins?

Der EZB Leitzins gibt an, mit welchem Zinssatz sich europäische Banken Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Dies wird notwendig, wenn bei der Bank ein Liquiditätsengpass entsteht, wie es zuletzt bei vielen österreichischen Geldinstituten der Fall war. Der Leitzins bzw. Hauptrefinanzierungssatz hat in weiterer Folge Auswirkungen auf die Zinsen, die Sparer und Kreditnehmer erhalten. Somit ist die Höhe des Leitzinses ein verlässlicher Wert, um die wirtschaftliche Lage Europas einzuschätzen und als Privatperson entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen.

Wie hat sich der Leitzins der EZB in den letzten Jahren entwickelt?

Seit März 2016 hat der Zinssatz in Folge der Wirtschaftskrise mit 0,00 % ein historisches Tief erreicht. 2014 lag die Vorgabe noch bei 0,05 %, 2009 war er mit 1 % schon im Sinkflug. Der Spitzenwert von 4,75 % vom Jahr 2000 wird so schnell wohl nicht mehr erreicht werden. Auch die anderen wirtschaftlichen Großmächte sind davon betroffen. In den USA und Großbritannien liegt der Zinssatz bei 0,50 %. In Japan ist er mit 0,10 % seit vielen Jahren relativ stabil, wohingegen in der Schweiz mittlerweile sogar ein Negativzins von bis zu -0,75 % eingetroffen ist. Von einem Zinswert von 10,5 % wie in Russland sind alle diese Länder weit entfernt.

Laut EZB ist eine weitere Senkung des Leitzinses denkbar, falls das angestrebte Inflationsziel nicht erreicht wird.

Was bedeutet der niedrige Leitzins?

Für die Banken ist die Senkung von der Europäischen Zentralbank ein Vorteil: Sie müssen weniger Zinsen für das Ausleihen von Geld bezahlen. Der Euribor (Euro Interbank Offered Rate) gibt an, zu welchen Konditionen die europäischen Banken eine Geldleihe bei der EZB machen können, wobei der Zinssatz davon abhängt, wie lange das Geld geliehen wird. Seit der Einführung des Euribor im Jahr 2009 ist der Wert mit vereinzelten Hochs mit Werten bis 5 % von knapp über 3 % auf knapp über 0 % gefallen, wobei sie seit kurzer Zeit wieder minimal steigen und aktuell für 1 Monat bei ca. 0,369 % liegen.

Aus Sicht der Banken ist der niedrige Zinssatz gut, da der Wirtschaftskrise entgegengewirkt werden soll, die Banken sollen liquide bleiben und damit werden die Bankkunden geschützt. Allerdings wurde gleichzeitig auch ein Strafzins von 0,2 % eingerichtet, wenn die Banken das geliehene Geld nicht gleich an den Kunden in Form von Krediten weitergeben. Kredite zu bekommen ist für Privatpersonen dadurch zwar nicht unbedingt leichter geworden, dafür sind die Konditionen aber besser. Niedrige Zinssätze ab 2 % sind keine Seltenheit mehr.

Die Maßnahmen der EZB haben aber auch negative Folgen für Privatpersonen, da auch beim Sparen die Zinsen ein historisches Tief erreicht haben.

Wie wahrscheinlich ist ein Negativzins in Österreich?

Den österreichischen Banken zufolge wird es in Österreich keine negativen Zinsen geben, da in diesem Fall ein Bank-Run wie in Griechenland, d.h. das Abheben des Geldes und Bunkern zu Hause, befürchtet wird. Gemessen an der Inflationsrate, der KESt und den Kontoführungsgebühren schrammen österreichische Sparer aber schon seit einigen Jahren an der 0 %-Grenze.