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Immobilienentwicklung

Infrastruktur als Hebel

Entlang der österreichisch-tschechischen Grenzregion zeigen sich zarte Aufwärtstendenzen. Die Lage im Waldviertel ist hingegen nach wie vor trist.

Der Immobilienmarkt in den Grenzbezirken

Einem durchwegs qualitativen Angebot sehen die Immobilientreuhänder eine regional teils sehr geringe Nachfrage gegenüber. Mag. Alexander Ertler, Immobilienexperte, kennt die Gründe dafür: "Aufgrund fehlender Infrastruktur kommt es vielerorts zu Landflucht hin in Richtung der Ballungszentren. Besonders für junge Menschen haben periphere Regionen immer häufiger zu wenig zu bieten. Diesen Trend hat mittlerweile auch die Politik erkannt und versucht ihrerseits durch strukturelle Maßnahmen - besonders im Verkehrsbereich - neue Impulse in der Grenzregion zu setzen." Als Beispiel hierfür sind die Autobahn A5 oder die Schnellstraßen S3 und S10 zu nennen. "Diese Stimuli greifen auch langsam. Entlang der jungen Verkehrsadern zwischen Österreich und Tschechien kommt der Immobilienmarkt langsam in Schwung. An der projektierten Nordautobahn kommt es bereits zu Preissteigerungen, rund um die geplante S10 stoppt der Preisverfall der letzten Jahre."

Infrastruktur muss weiter ausgebaut werden

Von dieser Entwicklung profitiert insbesondere das niederösterreichische Weinviertel. Auch für die Region um das oberösterreichische Freistadt ist eine zukünftig gute Entwicklung absehbar. Fakt ist jedoch auch, dass die Schnellstraßen sowie die Nordautobahn noch nicht bzw. nicht durchgehend zwischen Österreich und Tschechien befahrbar sind: "Es ist zu hoffen, dass die Politiker beiderseits der Grenze ihre jeweiligen Straßenprojekte alsbald als gemeinsame Infrastruktur erkennen, von deren Zusammenschluss beide Seiten profitieren. Neben Investitionen im Verkehrsbereich tragen vor allem auch Investitionen in Gesundheits- und Freizeitinfrastruktur zur Attraktivitätssteigerung einer Region bei", so Ertler weiter.

Betrachtet man die Grundstückspreise, so schlägt sich die entstehende Infrastruktur in den entsprechenden Regionen bereits deutlich nieder: Im Bezirk Hollabrunn bezahlt man aktuell 37 Euro für den Quadratmeter, was einer Preissteigerung von 9,8 % gegenüber dem Zeitraum Quartal 3 2010 bis Quartal 2 2011 bedeutet. Im Bezirk Freistadt, entlang der entstehenden S10, stabilisieren sich die Preise bei 42 Euro im Median.

Problemregion Waldviertel

Weiterhin schwierig bleibt es dort, wo infrastrukturell auch in absehbarer Zeit keine positive Entwicklung zu erwarten ist, insbesondere hinsichtlich bestehender Objekte. "In weiten Teilen des Waldviertels sehen wir das Überangebot an Objekten sehr deutlich. Die Zahl an bestehenden Einfamilienhäusern ist groß, viele Junge aber zieht es in Landes- und Bezirkshauptstädte. Der wirtschaftlichen Faustregel schlechthin folgend, bestimmt bekanntlich die Nachfrage den Preis und die ist in manchen Regionen schlichtweg sehr begrenzt." So bietet beispielsweise Gmünd ein umfangreiches Angebot an Häusern, bei gebrauchten Objekten aber stagnieren die Preise bei 1.170 Euro pro Quadratmeter. Betrachtet man Neubauten, so sind die Preise gar um 3,10 % auf 1.718 Euro gefallen.

Wohnungen nur in lokalen Zentren ein Thema

Die mit Abstand relevanteste Immobilienart in der Grenzregion ist und bleibt das Einfamilienhaus. Bei 64 % aller angebotenen Objekte handelt es sich um Häuser im Eigentum. Miet- und Eigentumswohnungen liegen mit jeweils 15 % gleich auf, tatsächlich spielen Wohnungen aber nur in den angesprochenen Bezirksstädten eine Rolle.

Regionen mit neuer Infrastruktur

"Jene Regionen, bei denen neue Infrastruktur in Richtung Tschechien bereits in Bau oder in Planung ist, beherbergen einiges Potenzial hinsichtlich zukünftiger Wertsteigerungen. Wer in dieser frühen Phase in Grundstücke entlang der neuen Nordverbindungen investiert, könnte davon profitieren. In jedem Fall befinden wir uns inmitten einer spannenden Entwicklung, die es im Auge zu behalten gilt", analysiert Ertler abschließend.

Die Datenbasis

Den Berechnungen der derzeitigen Immobilienpreise liegen 12.112 angebotene Immobilien aus den österreichischen Grenzbezirken zu Tschechien zu Grunde. Alle Angaben verstehen sich als Median-Werte für die jeweilige Region und stellen einen Richtwert für die aktuelle Preissituation dar. Bezugszeitraum ist in beiden Fällen Quartal 1 2010 bis Quartal 3 2011