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Immobilienfotos: Stolperstein Verwertungsrechte

Was Makler beim Urheberrecht beachten sollten

In Zeiten der digitalisierten Welt müssen Makler ganz besonders aufpassen: Fotos, die der Kunde zur Verfügung stellt, dürfen nicht einfach verwendet werden. Der Urheber muss damit einverstanden sein.

Ein Kunde ruft an und möchte Ihnen einen Vermittlungsauftrag erteilen. Die passenden Fotos seiner Wohnung hat er schon bereit und schickt sie Ihnen per Mail zu. Jetzt kommt der Fehler: Sie hinterfragen die Fotos nicht und gehen davon aus, dass der Kunde auch deren Urheber ist. Weil der Kunde Ihnen die Verwendung der Fotos zugesichert hat, inserieren Sie die Wohnung mit diesen Fotos auf unterschiedlichen Immobilienportalen.

Konsequenzen

Schon am nächsten Tag finden Sie eine wütende E-Mail in Ihrem Postfach. Der Absender: Heinz Gruber, der Vorbesitzer der Wohnung. Gruber regt sich wahnsinnig auf, weil er die Fotos der Wohnung vor fünf Jahren gemacht hat und niemand ihn über die Veröffentlichung informiert hat. Auf einem der Bilder, die Heinz Gruber seinem damaligen besten Freund und Nachbesitzer der Wohnung, Ihrem jetzigen Kunden, nur für den privaten Gebrauch gezeigt hat, sind unter anderem teure Skulpturen zu erkennen. Die Freundschaft ist längst zerbrochen, Grubers Urheberrecht besteht aber weiterhin. Sogar bis zu 70 Jahre nach dessen Tod können seine Erben Ansprüche erheben. Die wütende E-Mail ist also absolut gerechtfertigt.

Sie müssen die Fotos schleunigst aus dem Netz nehmen und sollten Ihren Kunden darüber informieren. Auch wenn Herr Gruber auf rechtliche Schritte verzichten möchte, er hätte Sie (und Ihren Kunden) ohne Abmahnung verklagen können.

Vorsicht walten lassen

Den ersten Schock haben Sie mittlerweile überwunden. In der Zukunft wollen Sie nicht mehr so leichtfertig mit Fotos von Immobilien umgehen. Was müssen Sie dabei beachten?

Ihr Kunde muss der Urheber der Fotos sein oder Ihnen diesen nennen können. Kann er das nicht, dürfen Sie die Fotos ausnahmslos nicht verwenden. Das ist ebenso der Fall, wenn Ihnen der Urheber keine Erlaubnis zur Verwendung erteilt.

Den Namen des Urhebers sollten Sie als Quellenangabe kenntlich machen, außer es wurde explizit vereinbart, dass der Urheber darauf verzichtet. Das ist im Fließtext des Inserats, aber genauso auf dem Bild selbst möglich.

Wir gehen noch einen Schritt weiter: Als Immobilienmakler ist man in gewissem Sinne auch Fotograf. Außenaufnahmen von Gebäuden – sofern diese nicht Kunst darstellen – sind jederzeit ohne Hilfsmittel – wie zum Beispiel Drohnen – erlaubt und müssen von Innenfotos unterschieden werden. Für Innenaufnahmen brauchen Sie die Erlaubnis des Besitzers und des Bewohners der Immobilie. Personendarstellungen auf den Bildern sollten Sie möglichst vermeiden, da diese Personen wiederum umfassende Rechte erlangen und geltend machen können.

Übrigens: Wenn Sie beispielsweise Ferienhäuser im Ausland vermitteln, dann gelten für die Fotos die Gesetze des jeweiligen Landes.