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Welcher Makler hat Anspruch auf Provision?

Der erste Kontakt ist nicht immer entscheidend

Der ewige Streitfall: mehrere, unabhängig voneinander agierende Makler. Welcher Makler hat bei Abschluss Anspruch auf die Provision? Dazu gibt es ein neues OGH-Urteil.

Eigentlich regelt diese Frage § 6 des Maklergesetzes recht genau: „Liegen die Provisionsvoraussetzungen für ein vermitteltes Geschäft bei zwei oder mehreren Maklern vor, so schuldet der Auftraggeber gleichwohl die Provision nur einmal. Provisionsberechtigt ist der Makler, dessen Verdienstlichkeit an der Vermittlung eindeutig überwogen hat. Lässt sich ein solches Überwiegen nicht feststellen, so ist die Provision nach Maßgabe der Verdienstlichkeit aufzuteilen, im Zweifel zu gleichen Teilen. ...“

Was heißt „eindeutig überwiegend tätig geworden“?

In einer aktuellen Entscheidung hatte der OGH in einem Fall genau darüber zu entscheiden. Was war vorgefallen? Im aktuellen Fall hatte ein Immobilienmakler seine Kollegin geklagt. Er war der Auffassung, seine Tätigkeiten hätten sich bei dem Verkauf einer Liegenschaft deutlich verdienstlicher erwiesen als die ihren. Er sei es gewesen, der dem künftigen Käufer detaillierte Auskunft über das Objekt gegeben, die Flächenwidmungspläne gezeigt und eine Außenbesichtigung durchgeführt habe. Vor allem aber sei er es gewesen, der auch als erster den Kaufpreis von 1,1 Mio. Euro genannt habe. Die Beklagte wandte ein, dass sie es war, die auf den Verkäufer einwirkte, seine Preisvorstellungen zu überdenken und auf eine Million Euro zu korrigieren – was am Ende des Tages zum Abschluss des Kaufvertrages geführt habe.

Die „Wertigkeit“

Bei der Beurteilung der Frage, ob im Fall der Beteiligung mehrerer Immobilienmakler an der Vermittlung die Verdienstlichkeit von einem von ihnen überwiegt, ist laut OGH auf die „Wertigkeit“ ihres verdienstlichen Beitrags für das Zustandekommen des Geschäfts abzustellen.

Dabei kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an, so der OGH in seiner Entscheidung. Da die Beklagte das Objekt den späteren Käufern nicht nur früher anbot, sondern auch eine Besichtigung unter Beteiligung der Verkäufer organisiert hatte, vor allem aber durch ihr Einwirken auf die Verkäufer eine Reduktion der Preisvorstellungen erreichte, welche letztlich zum Abschluss führte, ist im vorliegenden Fall vom eindeutigen Überwiegen der Verdienstlichkeit der Beklagten auszugehen. Damit stand nach der eingangs zitierten Gesetzesbestimmung der gesamte Provisionsanspruch der beklagten Maklerin zu.