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Reetdach

Reet: Natur am Dach

Früher bauten die Menschen ihr Haus mit dem, was die Natur in der jeweiligen Gegend in ausreichendem Maße zu bieten hatte: Holz, Lehm, Schiefer, Ton oder Schilf. Holz und Lehm, später auch Tonziegel, verwendeten die alten Baumeister für die Wände. Der Dachstuhl wurde aus Holz erstellt. Das Dach deckten sie mit Holz, Schiefer oder Dachtonziegeln – oder Reet.

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Durch die Industrialisierung im  19. Jahrhundert wurde das Reet- bzw. Rohrdach durch Hartbedachungen wie Tonziegel und später auch Betonpfannen ersetzt. Erst die Rückbesinnung auf natürliche Baustoffe brachte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Reet auf die Dächer zurück. Besonders bei Fachwerkhäusern entfalten Reetdächer ihre besondere Wirkung.  

Wetterfest und schwer entflammbar

Reet ist ein Schilfrohrgewächs, das an den Uferzonen von Seen und Feuchtgebieten wächst. Es wächst im Wasser und enthält daher eine Menge Silizium. Dadurch weist es eine gute Wetterfestigkeit auf und ist schwer entflammbar. Reet ist ein nachwachsender Rohstoff, der im einjährigen Zyklus heranwächst und geerntet wird.

So erkennt man hochwertiges Reet

Nach dem Mähen müssen die Reetbündel von Unkraut und Verunreinigungen befreit werden. Anschließend wird das Reet zum Trocknen stehend gelagert. Nach einer Trockenzeit von bis zu einem halben Jahr wird das Reet je nach Verwendung auf das richtige Maß zugeschnitten. Qualitativ hochwertiges Reet erkennt man an harten Halmen und der gelblichen bis braunen Farbe. Die Reethalme müssen sich biegen lassen, dürfen dabei aber nicht brechen.

So wird das Dach gedeckt

Ein Dach mit Reet einzudecken ist nicht so einfach. Das Reet wird bündelweise auf das Dach gebracht und befestigt. Dies geschieht mit gebundener, genähter oder geschraubter Deckung. Beim gebundenen Dach beginnt der Reetdachdecker von der Traufe aus Lage für Lage der Reetbündel an der Lattung zu befestigen. Die Bunde werden auf die Lattung gelegt, darauf kommt ein 5mm dicker, Hufeisen-förmiger Rundstahl parallel zur Lattung. Mit Bindedraht wird der Rundstahl alle 20 bis 25 cm locker an der Lattung gebunden. Nun werden die Bunde aufgeschnitten und mit einem Klopfbrett in Form gebracht. Erst dann wird der Bindedraht fest angezogen. An Stelle des Bindedrahtes kann der Dachdecker auch eine Schraube verwenden, um die mittig ein Draht gewickelt ist. Man spricht dann von geschraubter Deckung. Bei der genähten Deckung benötigt man eine gebogene und eine gerade Nadel. Mit der gebogenen Nadel wird der Draht durch die Reetschicht durchgesteckt und mit der geraden Nadel wird er auf der Innenseite des Daches "gefangen".

Haltbarkeit und Pflege

Die wichtigsten Merkmale eines Reetdachs sind die mindestens 30 cm dicke Reetschicht, die Dachneigung von mindestens 45° und eine ausreichende Hinterlüftung. Mit der Zeit nimmt die Dicke der Reetschicht ab. Durch die Einwirkungen von Sonne und Wind verrotten die Stoppelspitzen. Wenn die Dachhaut nur noch eine Dicke von 15 bis 20 cm besitzt, muss sie gewartet werden. Wie schnell der Alterungsprozess voranschreitet, ist von mehreren Faktoren abhängig. Je steiler Dach beispielsweise ist, desto haltbarer ist es, da es schneller abtrocknen kann. Vermindert wird das Abtrocknen, wenn das Dach im Schatten liegt oder mit Laub bedeckt ist. Laub sollte daher unbedingt entfernt werden. Auch die Qualität des verwendeten Reets ist für die Haltbarkeit des Daches wichtig.

Dämmung und Lärmschutz

Ein hinterlüftetes Dach hat den Vorteil, dass von außen eindringendes Wasser auch auf der Innenseite abtrocknen kann. Zudem kann Feuchtigkeit aus dem Innern des Hauses nicht in das Reet gelangen. Eine Dämmwirkung übernimmt das Reet bei einem hinterlüfteten Dach nicht, die Wärmedämmung muss auf andere Weise sichergestellt werden. Dabei besitzt Reet hervorragende Dämmeigenschaften. Vermutlich deshalb propagieren manche Experten die Ausführung des Reetdachs als Warmdach. In diesem Fall entfällt die Lüftungsebene und es entsteht das Problem, dass die Feuchtigkeit davon abgehalten werden muss, sich in der Dachhaut zu sammeln.

Durch den Wechsel von Luft- und Pflanzenbestandteilen sorgen Reetdächer nicht nur für gute Wärmedämmeigenschaften, sondern auch für einen guten Lärmschutz. Auf zwei Arten wird der Lärm reduziert: Die Luft in den Halmen sorgt für eine Abminderung des Lärmpegels und durch die Halmaußenwände wird der Schall gebrochen und teilweise zurückgeworfen.

Der Regen hat keine Chance

Reetdächer sind durch ihren Aufbau auch regensicher. Bei normalem Regen dringt die Feuchtigkeit etwa fünf Zentimeter in die Dachhaut ein, bei starkem Regen und Sturm sind es nur wenige Zentimeter mehr. Bei Sturm kommt ein weiterer Vorteil des Reetdachs zum tragen. Die Dachhaut ist elastisch und bildet durch die Bindung an die Traglattung eine Einheit. Das Reetdach kann somit den Windkräften bis zu einem gewissen Grad nachgeben, ohne seinen inneren Zusammenhang zu verlieren. Ohne Probleme kann ein Reetdach somit zahlreiche Winterstürme überleben und leicht 50 Jahre alt werden. Sorgfältige Pflege natürlich vorausgesetzt.