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Dämmstoffe

Hanf und Holz

Beim Begriff Hanf kommt wohl den Wenigsten als erstes ein Baustoff in den Sinn – das könnte sich in Zukunft ändern. Denn nachdem der große Nutzen bei der Produktion von Dämmstoffen schon länger bekannt ist, könnten durch neue Methoden bald buchstäblich ganze Häuser auf Feldern wachsen.

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Aus den Fasern der Pflanze, auch Schäben genannt, wird eine Vielzahl an Dämmstoffen hergestellt. Dämmwolle aus Hanf eignet sich beispielsweise außerordentlich gut als Lärmschutz in Zwischenwänden. Überall dort, wo Hohlräume über 10 cm mit Dämmstoff aufgefüllt werden sollen, ist die Hanfdämmwolle sehr gut einsetzbar. Die Hohlräume lassen sich einfach und unkompliziert mit dem Dämmstoff füllen und so kann überflüssiger Verschnitt vermieden werden.

Ein ganzes Haus aus einer Pflanze

Erst kürzlich wurde durch die Formpressung von Hanfschäben und Bindemitteln auf Kalkbasis ein möglicherweise zukunftsträchtiger Baustoff erfunden. Die dadurch entstehenden Bauteile auf Hanfbasis erinnern an Holzbalken oder Gasbetonsteine. Durch die Ergänzung mit Isolierstoffen und Dämmmaterialien aus Hanf könnten so bald ganze Häuser aus nur einer Pflanze entstehen.

Rückkehr der Nutzpflanze

Durch die berauschende Wirkung des chemischen Stoffes THC war der Anbau von Hanfpflanzen jahrelang verboten. Und obwohl die Europäische Union bereits 1989 den Anbau von rauschfreiem Nutzhanf wieder genehmigte, erholt sich die älteste Kulturpflanze der Welt nur langsam von ihrem schlechten Image. Doch die Nutzpflanze Hanf blickt auf eine mehr als 10.000jährige Geschichte zurück. Und so wird die zeitweilige Verbannung der Pflanze in Zukunft wohl nur ein kurzes Intermezzo darstellen.

Holzfasern als Baustoff

Sowohl der Mensch als auch die Umwelt profitieren, wenn Kiefern, Fichten, Tannen und Douglasien nicht mehr wie anno dazumal verheizt, sondern nach dem Fällen zu gefragten Baumaterialien verarbeitet werden - zum Beispiel zu Dämmplatten aus Holzfasern.  

Seit Jahrzehnten bewährt

Holzfaserprodukte haben sich als Dämmstoffe schon seit vielen Jahrzehnten bewährt. Sie zählen zu den besonders wohngesunden Baumaterialen. So gilt es als sicher, dass Holz per se keine Allergien auslöst. Dieses Argument fällt vor allem bei der großen Gruppe der Allergiegeplagten ins Gewicht. Häuser mit Holzfaserprodukten zu dämmen, liegt auch von daher voll im Trend.

Holzfaserdämmplatten lassen sich aus Hackschnitzeln heimischer Nadelhölzer herstellen. Bei vergleichsweise geringem Energieverbrauch werden sie maschinell zerfasert und unter Zugabe von Wasser und Wärme zu einer Art Brei gemischt. Keine Klebstoffe sind nötig. In dieser Form beweist die Natur, was in ihr steckt: Um stabile Dämmplatten zu erhalten, sind keinerlei Klebstoffzusätze nötig. Die Bindungswirkung der Holzfasern beruht allein auf einer Aktivierung ihrer Eigenklebefähigkeit. Die eingedickte Masse wird auf eine Langsiebmaschine aufgebracht, unter dem Druck riesiger Walzen zu Platten geformt und wieder entwässert.

Nach dem Trocknen erfolgt der Zuschnitt auf das jeweils gewünschte Format. Plattenverschnitt und Holzstaub werden dem geschlossenen Produktionskreislauf direkt wieder zugeführt. Das beim Pressen und Trocknen anfallende Wasser lässt sich ebenfalls aufbereiten und erneut verwenden.

Behagliches Klima garantiert

Produkte aus Holzfasern eignen sich vorzugsweise zur Wärmedämmung und Schallisolierung von Fußböden, Wänden, Decken und Dächern. Auch als Putzträgerplatten für ökologische Wärmedämmverbundsysteme kommen sie immer häufiger zum Einsatz. Der sommerliche Hitzeschutz gelingt mit Holzfaserdämmplatten genauso vorbildlich wie die energiesparende Wärmedämmung über Winter. Ihre Feuchte regulierende Struktur bewirkt ein ausgeglichenes, zumeist als sehr behaglich empfundenes Raumklima. Außerdem sind Dämmprodukte aus Holzfasern weitgehend alterungsbeständig, was ein spürbares Plus an Wohnkomfort für viele Jahre und Jahrzehnte garantiert.

Standard Polystyrol

Die allermeisten Wohnhäuser, die heute gebaut werden, sind in irgendeiner Form wärmegedämmt. Und auch wer saniert, kommt nicht um das Thema Dämmung umhin. Am häufigsten werden Gebäude heute mit Polystyrol-Platten (z. B. EPS- oder XPS- Platten) gegen Wärmeverluste geschützt. Sie weisen gute Dämmwerte auf, sind günstig und relativ leicht zu verarbeiten. Außerdem sind sie unverrottbar und resistent gegen Schädlinge. Zu den Nachteilen zählen, dass sie nicht besonders UV-beständig und schwierig zu recyceln sind.

Atmende Wände: Alternativen suchen und finden

Dazu kommt, dass Polystyrol im Vergleich zu anderen Dämmmaterialien vergleichsweise Diffusionsdicht ist. Dass heißt: Polystyrol-gedämmte Wände können nur begrenzt "atmen", Feuchtigkeit kann nur sehr geringfügig nach außen entweichen. So verwundert es nicht, dass viele ökologisch orientierte Bauherren Alternativen zu Polystyrol suchen - und auch finden. 

Neu entdeckt: Hanf

Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Hanf werden gerade wieder (wie bereits oben beschrieben) neu entdeckt. Als Dämmmaterial steht die anspruchslose Ackerpflanze in Form von Matten ("Thermohanf"), Stopfwolle und sogar zum Einblasen in Hohlräume zur Verfügung. Hanf dämmt ausgezeichnet, wirkt ausgleichend auf die Luftfeuchtigkeit und ist ohne Behandlung resistent gegen Schädlinge und Schimmel.

Leicht zu verarbeiten: Flachs

Dämmstoff aus Flachs, der Pflanze, die so attraktive blaue Blüten treibt, bietet eine sehr gute Dämmwirkung und reguliert zudem das Raumklima. Er ist auch für Heimwerker leicht und schnell zu verarbeiten: Die elastischen Dämmplatten werden einfach zwischen die Hölzer der Wandkonstruktion beziehungsweise die Dachsparren geklemmt.

Schafswolle filtert Schadstoffe

Schafwolle kann Schadstoffe aus der Luft filtern und bis zu 30 Prozent ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne ihre Dämmwirkung einzubüßen - ausgezeichnete Voraussetzungen für ein gutes Raumklima. Sie ist geruchsneutral und beständig gegen Schimmel und Motten, zudem kann sie auch vom Heimwerker problemlos verarbeitet werden.

Der Klassiker: Zellulose

Aus Altpapier recycelte Zellulose ist ein Klassiker unter den Öko-Dämmstoffen. Sie wirkt ausgleichend auf die Luftfeuchtigkeit und hat eine besonders hohe Wärmespeicherfähigkeit, schützt daher nicht nur vor Wärmeverlusten, sondern im Sommer auch vor Überhitzung. Sie ist außerdem langlebig und eignet sich gut zur Schalldämmung.

Aber: Die Dämmung mit Zellulose ist nur etwas für Fachfirmen.

Raumfahrttechnik Zuhause: Kork

Selbst ein Space Shuttle wird durch einen Wärmeschild aus Kork geschützt - am Bau gibt es den Stoff in Form von Platten und Rollen sowie als Schüttgut. Kork kann sehr viel Wärme speichern, eignet sich zum Einblasen in Hohlräume und - als einer der ganz wenigen Öko-Dämmstoffe - in Plattenform zum Dämmen von Fassaden, die danach verputzt werden können.

Hanf, Flachs und Schafwolle

Dämmstoffe aus Hanf und Flachs sind als Platten, Matten, Filze oder Stopfwolle erhältlich. Die meisten Produkte eignen sich im Bereich der Dachdämmung, als Füllung in Holzbauwänden und als Trittschalldämmung. Entweder sind die oben genannten Dämmmaterialien mit Polyesterfasern gebunden oder gänzlich Natur pur. Einen ähnlichen Anwendungsbereich wie Hanf und Flachs hat Schafwolle.