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Dämmen mit Mutter Natur – ökologische Dämmstoffe

Alle Jahre wieder findet man sie im Briefkasten: die jährliche Heizkostenabrechnung. Sie haben beim Lesen einen kleinen Herzinfarkt erlitten?

Dann sollten Sie als Eigentümer, aber auch schon vor dem Kauf einer Immobilie, über die passende Wärmedämmung nachdenken: Bis 31. Dezember 2017 vergibt das Land Österreich für eine thermische Sanierung des Hauses bis zu 30 Prozent des bezahlten Preises als Fördergelder.

Schlechter Dämmstoff

Die meisten Österreicher dämmen mit EPS. Dieser Name sagt Ihnen nichts? EPS ist nichts Anderes als Styropor, also expandiertes Polystyrol. Obwohl EPS - im Gegensatz zu Asbest – wenigstens keine erwiesene gesundheitsschädigende Wirkung hat, besteht es trotzdem aus dem fossilen Rohstoff Erdöl. Autobesitzer wissen durch die unbeständigen Benzinpreise, dass das Erdöl langsam immer weniger wird und es nur noch begrenzt verfügbar ist. Nun könnte man argumentieren, dass das ja sowieso egal wird, sobald der Dämmstoff eingebaut ist. EPS hat aber noch deutlich mehr Nachteile. Der Brand im Londoner Grenfell Tower hat weit über die Grenzen Englands hinaus Schock und Trauer ausgelöst. Mittlerweile wurde der Brandauslöser ausfindig gemacht: der Dämmstoff. Auch Styropor ist sehr leicht brennbar. Entgegenwirken sollte dem bis 2015 das giftige Brandschutzmittel HBCD. Dieses wurde mittlerweile verboten und durch Polymer-FR ersetzt. Leider kann dadurch nicht zur Gänze verhindert werden, dass schon kleine Schweißarbeiten das Styropor zum Brennen bringen. Da das Polystyrol dabei schmilzt und brennend tropft, ist eine Brandbekämpfung nur schwer und langsam möglich.

Wie kann man das eigene Haus also bestmöglich dämmen? Um ein Gebäude nachhaltig zu gestalten und eine hohe thermische Qualität zu garantieren, sind natürliche Dämmstoffe in der heutigen Zeit unerlässlich. Sie sind eine gute Alternative zu herkömmlichen Materialien. Schaffen Sie sich jetzt einen Überblick:

1. Holzwolle

Wer im Sommer schon einmal in einer zu heißen Wohnung gelebt hat, weiß die Holzwolle als Dämmstoff mit Sicherheit zu schätzen. Holzwolle weist nämlich eine sehr gute Wärmespeicherkapazität auf und gibt damit Hitze nur langsam an das Hausinnere weiter. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass dieser Dämmstoff resistent gegen Ungeziefer, (Schimmel-)Pilzbefall und Verrottung ist. Besonders gut macht sich die Holzwolle in der Dämmung von Kellerdecken, Außenfassaden oder Zwischen- und Untersparren. Wichtig ist jedoch, dass Sie mit Holzwolle nur zweitrangig eine Wärmedämmung erzielen können. Sie ist eher für einen effizienten Schallschutz geeignet. Wenn man die Holzwolle irgendwann nicht mehr in der Wand haben möchte, so kann man sie jederzeit unbedenklich recyceln

2. Holzfaser

Die Holzfaser ist der große Bruder der Holzwolle. Da Holz grundsätzlich zu den nachwachsenden Rohstoffen gehört, ist die Holzfaser quasi unbegrenzt verfügbar. Erzeugt werden die Holzfaserdämmplatten beispielsweise aus Schwach- und Resthölzern von Nadelbäumen. Ganz im Gegensatz zur Holzwolle ist die Holzfaser zwar durchaus ein guter Schallschutz, wird aber wirklich primär zur Wärmedämmung in Fußböden, für Trennwände oder zur Außendämmung eingesetzt. Die gute Wärmespeicherkapazität ist auch bei der Holzfaser gegeben. Von der sengenden Hitze im Sommer oder der Eiseskälte im Winter bekommt man in einem mit Holzfaserplatten gedämmten Haus also nur wenig mit. Besonders interessant ist vielleicht, dass die Holzfaser wasserdampfdurchlässig ist.

3. Zellulose

Zellulose klingt wie ein biologischer Fachbegriff – ist es auch. In der Dämmung steht Zellulose aber einfach für recyceltes, mit Mineralsalzen versetztes Altpapier. Durch den Zusatz der Mineralsalze können Verrottung, Pilz- und Ungezieferbefall verhindert werden. Zellulosedämmstoff kann bis zu 30 Prozent Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, ohne dabei an Isolierungsfähigkeit zu verlieren. Durch ihre Leichtigkeit können Zelluloseplatten für die Dämmung von Dachschrägen und Wänden im Leichtbau eingesetzt werden. Eigentümer und Mieter aufgepasst: mit einer Zellulosedämmung wird 20 bis 30 Prozent weniger Heizenergie verbraucht als bei einer mit Mineralwolle isolierten Immobilie. Außerdem hat Zellulose eine sehr hohe Lebensdauer und kann auch nach dem Ausbau jederzeit wiederverwendet werden.

4. Hanf

Der Anbau von Hanf ist für die österreichischen Landwirte sehr angenehm. Es werden weder Pflanzen- noch Insektenschutzmittel verwendet, da die Hanfpflanze sowieso sehr robust ist. Da der Hanf in Österreich angebaut werden kann, sind die Transportwege sehr gering. Das macht diesen Dämmstoff besonders umweltfreundlich. Um Brände zu verhindern, werden Soda oder Ammoniumphosphat vor der Verarbeitung zu Dämmplatten für Dächer, Wände und Böden, zugemischt. Für Tiere ist Hanf so oder so uninteressant: Er enthält keine Nährstoffe und wird deshalb von Nagern nicht beachtet. Wie die Zellulose kann Hanf nach einem fachgerechten Wiederausbau an anderen Stellen weiterverwendet werden. Es besteht sogar die Möglichkeit, mit alten Hanfdämmplatten Biogas zu gewinnen.

5. Schlafwolle

Frisch von der Weide wird Schafwolle zu Vlies, Filz oder Wollballen verarbeitet. Die Bio-Dämmung wird dann zum Dämmen von Wänden, Dächern und Böden eingesetzt. Schafschurwolle brennt erst bei viel höheren Temperaturen als Holz. Sie entflammt erst bei ca. 560 Grad Celsius, während Holz nur 270 Grad Celsius aushält. Schafwolle kann – wie andere Faserdämmstoffe – bis zu 30 Prozent ihres Gewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass ihre Dämmwirkung nachlässt. Ein Nachteil der Schafwolldämmung ist deren hoher Preis. Die Wolle wird nämlich zu einem großen Teil aus Australien oder Neuseeland importiert.

6. Stroh

Zur Erntezeit im Spätsommer sieht man sie auf fast jedem Feld: Strohballen. Die regionale Verfügbarkeit wäre also gegeben. Trotzdem gilt Stroh als Dämmstoff immer noch als Exot. Wichtig für die Verarbeitung zum Dämmstoff ist, dass schon bei der Ernte darauf geachtet wird. Dann wird für die Herstellung der Dämmplatten kein zusätzlicher Energieaufwand benötigt. Der Landwirt kann das Stroh zu Ballen pressen und als Dämmstoff aus nachwachsenden Rohstoffen weitergeben. Der ökologische Vorteil von Stroh ergibt sich ebenso daraus, dass es biologisch abbaubar ist. Die Bauwirtschaft kann damit das immense Abfallaufkommen etwas verringern. Leider bieten in Österreich nur sehr wenige Handwerksbetriebe die Herstellung und den Einbau von Strohdämmung an.

7. Flachs

Flachs kann äußerst energiearm erzeugt werden. Dabei werden die Flachsfasern zu Vlies verarbeitet. Stärke- und Polyesterfasern helfen bei der Stabilisierung. Trotz beigefügter Mineralsalze ist eine Flachsdämmung relativ leicht brennbar. Sie können Flachs im Innenbereich oder zur Zwischensparrendämmung von Dächern und Wänden verwenden. Hier müssen Sie nicht mit Insektenbefall, Pilzen oder Fäulnis rechnen – Flachs ist dagegen resistent. Leider ist eine Außendämmung mit Flachs nicht möglich. Wie viele andere natürliche Dämmstoffe, kann auch Flachs unbedenklich entsorgt werden und ist biologisch abbaubar.

8. Schilf

Sie kennen Schilfrohr vermutlich eher als Wasserpflanze in Seen, typisch im Neusiedlersee im Burgenland, oder Schwimmteichen. Schilf kann aber deutlich mehr. Es ist im Gegensatz zu anderen Naturfasern sehr hart und ist daher vor allem für die Außen- und Dachdämmung geeignet. Da passt es gut, dass Schilf sehr feuchteresistent ist und ein Verrotten kaum möglich ist. Da es auch unter ständiger Wassereinwirkung so gut wie gar nicht verrottet, bietet dieses Material auch eine hohe Feuchteresistenz – als Dämmmaterial für Häuser in Österreichs Seeregionen also durchaus anzudenken. Trotz weiterer Vorteile wie beispielsweise das mögliche Recycling, sollte Schilfrohr nur begrenzt eingesetzt werden.

9. Seegras

Bleiben wir im Wasser. Nicht jedes Seegras – wie beispielsweise das aus der Donau – ist für die Verarbeitung zu Dämmmaterial geeignet. Meist stammen die Fasern aus der Ostsee oder dem Mittelmeer. Nach der Verarbeitung wird das gewonnene Fasermaterial in Dächer, Decken und Wände geschüttet, gestopft oder geblasen. Durch das natürliche Silikat im Seegras bleibt es schimmelfrei und ist gut haltbar. Obwohl Seegras als Dämmstoff noch unbekannt ist, kann es die Wärmedämmeigenschaften anderer Stoffe teilweise deutlich übertreffen. Besonders im Sommer kommt mit einer Seegrasdämmung kaum Wärme in die Wohnungen.

10. Kork

Kork kann nicht nur Ihre Weinflaschen sauber verschließen, sondern auch Häuser dämmen. Bisher wird Kork in Österreich kaum gewonnen. Er kommt hauptsächlich aus Korkeichenwäldern im Mittelmeer. Für die Herstellung von Dämmplatten wird der Kork zu Platten verarbeitet und einfach nur in die gewünschte Form geschnitten. Für Fassadensysteme sind das Backkorkplatten, für Trittschalldämmungen sind es Dämmkorkplatten. Der größte Vorteil von Kork ist seine große Resistenz gegen Feuchtigkeit.

Sie sehen, es gibt eine immense Auswahl an natürlichen Dämmstoffen. Es ist also immer empfehlenswert, sie in die Gedankengänge beim Kauf einer Immobilie oder rund um die nächste thermische Sanierung und Wärmedämmung einzubeziehen. Ob sie allerdings eine wirkliche Alternative zu den herkömmlichen Stoffen sind, das bleibt Ihnen selbst überlassen.

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