Zinsatz und Zinsentwicklung

Wovon der Zinssatz abhängig ist

Die Chance auf billiges Baugeld ist 2014 weiter günstig. Kreditnehmer sollten sich die niedrigen Zinssätze langjährig festschreiben lassen.

Der günstige Zinstrend 2014 hält an

Der Zinssatz unterliegt vielen Einflüssen.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor gut fünf Jahren verfolgt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Politik der extremen Niedrigzinsen – mit Ausnahme einer kurzzeitigen Anhebung des Leitzinssatzes im Jahr 2011. Damit sollen in erster Linie die Krisenstaaten in der Eurozone bei der Finanzierung ihrer Schulden entlastet werden. Denn: Je niedriger der Zins ist, den die Staaten für ihre Anleihen zahlen müssen, umso mehr Geld bleibt für die Sanierung ihrer Haushalte übrig. Auch der Wirtschaft kommt die derzeitige Zinsentwicklung zugute, da Banken zu günstigen Konditionen bei der EZB Geld ausleihen und diese in Form von günstigen Zinsen für Kurzfristkredite an Haushalte und Unternehmen weiterreichen können.

Damit zeigt sich eine grundlegende Trendwende in der Euro-Geldpolitik: Während in früheren Jahren die Leitzinsen oft aufgrund eines befürchteten Anstiegs der Inflationsrate angehoben wurden, steht heute die Stabilisierung der Staatsfinanzen im Vordergrund, während die Teuerungsrate weniger Einfluss auf die Entscheidungen der Zentralbanker hat. Seit der jüngsten Leitzinssenkung im November 2013 steht der EZB-Zinssatz nun auf dem Rekord-Niedrigstwert von 0,25 Prozent. Zwar gibt dieser Zinssatz formell nur den Maßstab für variabel verzinste oder über wenige Monate festgeschriebene Geldanlagen und Kredite vor. Aber auch die Zinsentwicklung bei längerfristigen Anlagen und Krediten am Kapitalmarkt wird von der EZB-Zinspolitik beeinflusst.

Der tatsächliche Zinssatz muss berechnet werden

Allerdings spiegeln die im Kreditvertrag vereinbarten Bauzinsen nicht allein den Leitzins der EZB wider. Bei den individuellen Berechnungen der Bank spielen zum Beispiel die Höhe des Eigenkapitals und die Bonität des Kreditnehmers, die dieser durch Einkommen und Vermögenswerte nachweist, eine wichtige Rolle. Je höher das Kreditinstitut das Risiko einschätzt, dass der Kunde eines Tages den Kredit nicht mehr bedienen kann, desto höher sind auch die ihm abverlangten Bauzinsen. Auch die Höhe der monatlichen Tilgung – also des ratenweise zurückgezahlten Geldes – hat Einfluss darauf. Je höher sie ist, desto geringer die Zinsen. Wer im Kreditvertrag zudem die Möglichkeit von Sondertilgungen ausschließt, kann ebenfalls niedrigere Bauzinsen aushandeln. Damit berauben Sie sich allerdings der Möglichkeit, bei unverhofftem Geldsegen durch Gehaltserhöhung oder Erbschaft vorzeitig größere Summen des Kredits abzutragen.

Im Zinstief lange Zinsbindung vereinbaren

In Zeiten niedriger Zinsen empfiehlt es sich, den günstigen Zinssatz für Baugeld möglichst lange festschreiben zu lassen. Der vereinbarte Zinssatz liegt dann zwar meist etwas über dem aktuellen Niveau, dafür verändert er sich auch dann nicht, wenn die Zinsen am Markt wieder steigen. Die Gelegenheit für Bauherren und Immobilienkäufer, Zinsen festschreiben zu lassen, ist aktuell noch immer günstig, auch wenn das historische Zinstief vom Sommer 2010 überwunden ist. Was Sie an Zinszahlung sparen, können Sie eventuell gleich in die Tilgung stecken.
Experten meinen, dass sich beim derzeit niedrigen Zinssatz viele Kreditnehmer aber auch eine höhere Anfangstilgung – zwei oder drei statt dem üblichen einen Prozent – leisten könnten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Kredit ist viel schneller abbezahlt.

Die Baufinanzierung läuft weiter

Oft läuft die Zinsbindung aus, bevor der Baukredit vollständig abgezahlt ist. Wollen Sie eine möglichst günstige Anschlussfinanzierung aushandeln, gilt wieder die gleiche Grundregel: Bei hohem Zinssatz kurze Zinsbindung vereinbaren, einen niedrigen Zinssatz möglichst lange festschreiben lassen – am besten bis zur Schuldenfreiheit. Läuft Ihre Zinsbindung in den nächsten Jahren aus, ist eine Anschlussfinanzierung per Forward-Darlehen für Sie interessant, die auf der Grundlage des aktuellen Zinssatzes abgeschlossen wird. Sie lohnt sich nur, wenn die Marktzinsen gerade niedrig sind und bis zum Ende der Zinsbindung steigen. Forward-Darlehen sind also eine Art Wette auf die Zukunft.

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