Bausparkassen - Ein Überblick

Den besten Bausparer für die Immobilienfinanzierung finden

Österreich ist ein Land der Bausparer. Über 60 % der Österreicher haben einen Bausparvertrag. Dieser Trend wird trotz niedriger Sparzinsen weiterhin anhalten, denn es gibt die staatliche Prämie, die das Sparen attraktiv macht.

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Welche Konditionen sind beim Bausparen möglich

In Österreich gibt es vier Bausparkassen, die unterschiedliche Zinssätze anbieten. Diese liegen je nach Betragshöhe zwischen 0,25 und 4,25 %. Wer eine fixe Verzinsung wählt, muss sich aktuell mit niedrigeren Zinsen in Höhe von durchschnittlich 0,5 % zufrieden geben, was angesichts der ständigen Senkung des Leitzinses in den letzten Jahren aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss. Bei den aktuellen Angeboten ist zu beachten, dass es sich bei den beworbenen garantierten Zinsen meist um zeitlich begrenzte Aktionen handelt. So werden z.B. Zinssätze in Höhe von 2,5 % garantiert, diese sind aber nur an sechs Monate gebunden, das heißt der Zinssatz kann danach unter den Durchschnitt fallen. Deshalb muss bei der Unterzeichnung des Bausparvertrages genau geprüft werden, wie die Konditionen für die gesamte Dauer der Laufzeit ausschauen.

Welche Auswirkungen hat die staatliche Prämie auf das Guthaben?

Zusätzlich zu den Sparzinsen der Bausparkasse erhält jeder Bausparer eine staatliche Prämie zwischen 1,5 und 4 %. Die Prämie wird jährlich vom Finanzministerium neu berechnet. Heuer beträgt sie 1,5 %. Insgesamt können bis zu 1.200 Euro gefördert werden. Nach Ablauf der Laufzeit können bei durchgehend 1,5 % so bis zu 108 Euro Bausparprämie erhalten werden, maximal sind 258 € möglich. In Anbetracht der aktuellen Sparzinsen ist das ein gutes Zinsergebnis.

So lohnt sich das Bausparen auch ohne Bauvorhaben

Wer bei einer Bausparkasse spart, muss deshalb nicht unbedingt bauen oder eine Immobilie kaufen. Nach Ablauf der Laufzeit kann der Sparer über das Geld frei verfügen. Damit er die staatliche Prämie erhält, muss die Laufzeit aber eingehalten werden. Bei einer frühzeitigen Abhebung verliert er den Anspruch auf die Prämie, sie muss gegebenenfalls zurückgezahlt werden. Auch das Recht auf ein Bauspardarlehen, das für die meisten Sparer der Hauptgrund fürs Bausparen ist, geht verloren. Im Gegensatz zur Sparsumme ist das Darlehen an ein Bauvorhaben oder an einen Immobilienkauf gebunden. Außerdem können damit Ausbauten, Modernisierungen, Sanierungsmaßnahmen usw. finanziert werden. Unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung ist das Sparen bei einer Bausparkasse aber auch in Zukunft eine attraktive Alternative zu ungebundenen Sparbüchern.

Vier Anbieter teilen sich den Markt

Vor Abschluss eines Bausparvertrags kann sich ein Vergleich der verschiedenen Bausparkassen lohnen. Damit die Auswahl leichter fällt, stellen wir Ihnen im Folgenden die vier österreichischen Anbieter einmal genauer vor.

Während im Nachbarland Deutschland zwölf private Bausparkassen und neun regionale Landesbausparkassen aktiv sind, teilen in Österreich lediglich vier Anbieter den Gesamtmarkt unter sich auf. Aus Sicht des Konsumenten eine erfreuliche Konstellation, da sich die einzelnen Anbieter mit geringem Aufwand vergleichen lassen.

So wie einzelne Banken dem Lager der Privatbanken, der Genossenschaftsbanken oder der öffentlichen Kreditinstitute zuzurechnen sind, sind auch die Bausparkassen in unterschiedlichen Sektoren des österreichischen Finanzmarktes beheimatet.

Genossenschaftliche Bausparinstitute

Die start:bausparkasse ist mit einem Marktanteil von gut zehn Prozent und einem Bestand von rund 600.000 Bausparverträgen die kleinste Bausparkasse Österreichs. Allerdings kann sie auf eine lange Geschichte zurückblicken: Schon im Jahr 1929 wurde die Bausparkasse auf Initiative der niederösterreichischen Volksbanken gegründet und ist damit die älteste Bausparkasse Österreichs. Bis Herbst 2014 firmierte das Institut als „Allgemeine Bausparkasse“ (ABV). Auch heute noch ist die start:bausparkasse dem Volksbanken-Verbund zuzurechnen.

Neben den Volksbanken bilden die Raiffeisenbanken in Österreich eine weitere wichtige Bankengruppe, die ebenfalls vom genossenschaftlichen Leitbild geprägt ist. Mit der Raiffeisen Bausparkasse unterhalten die Raiffeisenbanken ein eigenes Bausparinstitut, das rund 1,8 Millionen Kunden zählt und eine Bilanzsumme von mehr als sieben Milliarden Euro vorweisen kann. Der Marktanteil liegt bei gut 33 Prozent, sodass die Raiffeisen Bausparkasse im österreichischen Markt den ersten Platz belegt.

Die Bausparkasse der Sparkassengruppe

Auch die Sparkassengruppe verfügt mit der „s-Bausparkasse“ über einen eigenen Bauspardienstleister. Mit einem Bestand von rund 1,5 Millionen Bausparverträgen und einem Anlagevolumen von sieben Milliarden Euro belegt das vor mehr als 70 Jahren gegründete Institut knapp hinter der Raiffeisen Bausparkasse den zweiten Platz.

Wüstenrot: Deutschland-Import mit Tradition

Die Bausparkasse Wüstenrot AG hat ihren Ursprung in Deutschland, wo im kleinen Dorf Wüstenrot bei Heilbronn in den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts die erste Bausparkasse mit der heute üblichen Struktur entstand. Schon früh wurde das Erfolgsmodell nach Österreich exportiert. Den ersten Österreich-Finanzierungen in den späten zwanziger Jahren folgte 1930 die Ausgründung als eigenständige Bausparkasse mit Hauptsitz in Salzburg. Die Bausparkasse Wüstenrot ist den privatwirtschaftlichen Finanzmarktakteuren zuzurechnen und verwaltet knapp 1,3 Millionen Bausparverträge.

Durch einen Vergleich die beste Bausparkasse herausfinden

Es gibt auch Onlinebanken, die ans Bausparen angelehnte Sparmodelle anbieten, hier erhalten die Sparer im Gegensatz zu den österreichischen Bausparkassen aber nicht die staatliche Prämie, die das Sparen eigentlich erst attraktiv macht. Welche Kasse das beste Angebot liefert, hängt von den persönlichen Voraussetzungen des Sparers ab. Ob eine einmalige, eine jährliche oder monatliche Zahlung möglich ist, ist eine Frage der liquiden Mittel. Die Laufzeit von sechs Jahren ist jedoch bei allen Anbietern die gleiche. Bei einer jährlichen Einzahlung von 1.200 Euro stehen dem Sparer je nach Vertragsmodell am Ende im Schnitt 7.500 Euro Auszahlungskapital zur Verfügung. Die Preisspanne zwischen ca. 7.370 und 7.680 Euro zeigt, wie wichtig der Vergleich ist.

Zinsen und Kosten sorgfältig vergleichen

Welche Bausparkasse beim Vertragsabschluss gewählt wird, sollten Sie jedoch nicht dem Zufall überlassen. Je nach Marktlage und persönlichen Konstellationen kann mal das eine oder mal das andere Institut die Nase vorn haben. Hier ein paar wichtige Kriterien bei der Auswahl:

  • Fester oder variabler Zins: Je nach Bausparkasse und Tarif sind die Anlagezinsen festgeschrieben oder an den Marktzins gekoppelt. Hier sollten Sie überlegen, auf welche Variante Sie setzen wollen.
  • Höhe der Zinsen: Wenn Sie sich für die feste oder variable Verzinsung entschieden haben, können Sie die Zinssätze der einzelnen Bausparkassen vergleichen.

Kontoführungsgebühren: Diese Gebühren schmälern den Ertrag – rechnen Sie diese daher beim Vergleich der einzelnen Angebote mit ein.

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Wie funktioniert das Sparen bei den Bausparkassen?

Bausparer werden sehr gerne von Eltern oder Großeltern als zukünftiges Geschenk und Starthilfe für ihre Kinder oder Enkel abgeschlossen. Sie sollen ein finanzielles Polster haben, egal ob für den Kauf oder Bau einer Immobilie, den Autokauf, die Ausbildung oder Konsumgüter. Wer selbst einen Bauspar-Vertrag abschließt, hat für gewöhnlich schon vorab die Absicht zu bauen. Die Sparphase ist die Chance, sich regelmäßig ein wenig Geld auf die Seite zu legen, doch eigentlich geht es beim Bausparen um die Aussicht auf das Bauspardarlehen.

Welche Alternativen gibt es zur Bausparkasse?

Die Zinsen, die die Bausparkassen fürs Sparen aktuell anbieten, sind leider sehr niedrig. In naher Zukunft wird sich das auch nicht großartig ändern. Allerdings mach die staatliche Prämie das Bausparen weiterhin attraktiv, da sie den gesamten Zinssatz ordentlich unterstützt.

Außerdem ist auf lange Sicht ein Ansteigen der Zinsen wieder zu erwarten. Wer also jetzt einen Bausparer abschließt und spart und später den Bausparer verlängert, kann dann mit einer soliden Sparsumme weitersparen und von besseren Zinssätzen profitieren. Die Zinsen sind selbstverständlich auch dann höher als jetzt, wenn bis dahin noch nicht gespart wurde. Treuen Kunden wird aber gerne nochmals ein Extra-Zuckerl gegönnt.

Wann ist ein Bausparvertrag zuteilungsreif?

Wer bei einer Bausparkasse einzahlt, sollte wissen, wann der Bausparer zuteilungsreif ist, d.h. wann das Mindestbausparguthaben erreicht ist und das Bauspardarlehen ausgezahlt werden kann. Je nach Kasse können unterschiedliche Varianten möglich sein. Z.B. müssen Ansparungen zwischen 30 und 50 Prozent von der Gesamtsumme vorhanden sein. Außerdem gibt es eine zeitliche Befristung. Ist die finanzielle Hürde erreicht, muss nochmals eine Zuteilungszeit, die mindestens ein Jahr beträgt, berücksichtigt werden.

Weitere Unterstützungen zur Finanzierung von Immobilien

Die staatliche Förderung und die guten Zinsen sind schon einmal eine kleine Erleichterung. Daneben gibt es aber auch viele weitere interessante finanzielle Unterstützungen. Die Bausparkassen helfen mit einem Sanierungscheck dabei, dass sich Häuslbauer keine davon entgehen lassen müssen. Der Bankberater ist meist auch ein Experte in Sachen Energieförderungen und weiß, welche Töpfe zur Verfügung stehen. Einmalige Zuschüsse oder weitere günstige Kredite, wie z.B. für Photovoltaik, Thermen oder Solaranlagen, lassen den Traum von der eigenen Immobilie näher rücken. Auch die Unterstützungen für eine Wohnbauförderung oder eine Wohnhaussanierung sind nicht zu verachten. Diese werden von den jeweiligen Ländern gefördert, die Höhe der Förderung und die Konditionen sind dementsprechend unterschiedlich.

Was tun, wenn kein Anspruch auf ein Bauspardarlehen besteht?

Besonders bei Wohnungen ist es häufig der Fall, dass sich Interessenten schnell für einen Kauf entscheiden müssen. Da bleibt natürlich keine Zeit, um die Laufzeit eines Bausparers abzuwarten und dann das Bauspardarlehen für den Kauf zu verwenden. In solchen Fällen muss eine andere Kreditform gewählt werden. Bei Studierenden, Senioren oder alleinerziehenden Elternteilen steigt in diesem Zusammenhang das Interesse an Sofortkrediten und Privatkrediten. Hier gibt es Banken bzw. Privatpersonen, die keine Sicherheiten fordern und auch bei einer schlechten Bonität einen Kredit vergeben. Allerdings sind die Zinsen und vor allem auch die Mahngebühren und Verzugszinsen entsprechend höher und bei zwischenzeitlichen finanziellen Engpässen sind die Kreditinstitute kaum verhandlungsbereit.